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Installation view & close-ups “Hail to the Artist”

From a distance, chiseled geometric fragments neatly fit together to depict self-portraits and symbolic autobiographical scenes representing heroic actions of the artist. However, similarly to his landscape and still life outlines composed of dead flies individually pinned to canvas, this series of carvings calls for a closer inspection. While at first glance the grand relief sculptures suggest classical ivory or marble, a familiar scent might suggest otherwise. The story for eternity is etched into fading bricks of ordinary curd soap.

Accompanied by hanging flags showing emblems and banners proclaiming artist statements, the main sculpture comes in the form of a sarcophagus. Lying in the booth like a king in his tomb, a large figurine of the artist is encased in a glass top that rests on a base of soap framed in oak wood. All together, the pieces create a magnificent sensation of standing amidst remains of an ancient culture.

 

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Kernseife – Der Wunsch nach Ewigkeit

Eine Serie. Kleine, mittlere, große Formate. Der Bildträger bestehend aus einer Aneinanderreihung nahezu gleich großer rechteckiger Stücke, die sich wie Kacheln in einen speziell dafür angefertigten hellen Holzrahmen eingliedern. Darin eingemeißelt: Selbstporträts, autobiographische Ereignisse, Heldentaten, eingebettet in antike Tempelfassaden, Siegessäulen und Lorbeeren, ein traurig blickender Hund, eine junge Frau, der Tod.
Die Arbeiten erscheinen in ihrer Darstellung zunächst nicht ungewöhnlich. Doch legt sich bei genauerer Betrachtung ein seltsam vertrauter Duft um die Werke, der für Irritation sorgt. Spätestens da wird klar, dass es sich bei Sebastian Wegglers Werken nicht um marmorierte Bildreliefs handelt sondern um schlichte, billige Kernseife. Diese steht dem altehrwürdigen, wertvollen Kalkstein in seiner Oberflächenstruktur allerdings in nichts nach.
Aber warum verwendet der Künstler ein industriell vorgeprägtes Material, das in seinem Bekanntheitsgrad als Reinigungsmittel zwar unübertroffen ist, im Gegensatz zu anderen Werkstoffen in seiner Beschaffenheit hingegen vergänglich – ganz besonders wenn es in Berührung mit Wasser gerät? Derartiges verdeutlichen auch die Vanitas-Motive in den einzelnen Arbeiten. Es scheint fast so, als ob der Eichenrahmen das profane, vergängliche Material schützen und zusätzlich mit Attributen wie Kraft und Beständigkeit für die kommende Zeit ausstatten soll.
Der Wunsch nach Ewigkeit – durchbrochen, fragmentartig und doch zusammenhängend und als großes Ganzes zu verstehen. Sebastian Weggler meißelt seine Biographie, sein endliches Leben in Kernseife. Es sind Denkmäler für die Nachwelt, um für “immer” in Erinnerung zu bleiben. Denn wie Beth Ditto (Sängerin der Band Gossip) einmal sagte, sollte man bis spätestens Dreißig seine Autobiographie geschrieben haben, da diese später sonst keiner mehr lesen will.
Weggler geht sogar noch einen Schritt weiter. Indem er seine “Heldentaten” (z.B. die Erfindung des Rads) und seine früheren Arbeiten – die er selbst als “Schlüsselwerke” bezeichnet (Briefmarkensammlung, Teppiche, Fliegenbilder) – in Seife meißelt, schafft er sich seinen eigenen Künstlermythos: Es sind Werke in denen sich das Denken des Künstlers, sowie seine Seele und sein Genius widerspiegelt. Neben der Markierung entscheidender Abschnitte in seinem Leben, wird aber auch das Material selbst bei Weggler thematisiert – so zum Beispiel, wenn er sein Abbild bei einer seiner kleinen Seifenarbeiten in eine Badewanne formt.
Sebastian Weggler verleiht seinem Leben, seinem Selbstverständnis als Künstler und dem verwendeten Material mit kritischer Distanz, Selbstironie und einem leichten Augenzwinkern in der Tat eine ganz neue Bedeutungszuschreibung. Aufgewertet, auratisiert und ästhetisiert in einer Welt des Vergänglichen: Der materialikonographische Ansatz bildet zweifellos das Profil mit dem Weggler den Kanon kunstwürdiger Stoffe sprengt, den Bereich “wertloser” Stoffe erweitert und die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst verschiebt, um das Medium letztlich mit eigener semantischer Qualität zu versehen.

(Text: Felicia von Karais)