Diese Diashow benötigt JavaScript.

Installationsansichten und Detailaufnahmen „Hail to the Artist“

Ein mittelalterlich anmutender Sarkophag steht im Zentrum der Installation, dessen Verschluß ein in Stein gemeißeltes Abbild des Künstlers ekennen läßt. Die Seiten des Sarges sind mit Seifenreliefs geschmückt, die sowohl seine „Heldentaten“ als auch seine „Wachlöwen“ zeigen.

Begleitet wird seine Ruhestätte von Bannern und Flaggen, die an mittelalterliche Ritterwappen erinnern. Anstatt Lilien und Kreuzen zeigen sie allerdings Kuchenstücke und Wienerwürstchen die mit Künstlerslogans und Ausstellungstitel beschriftet sind.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Kernseife – Der Wunsch nach Ewigkeit

Eine Serie. Kleine, mittlere, große Formate. Der Bildträger bestehend aus einer Aneinanderreihung nahezu gleich großer rechteckiger Stücke, die sich wie Kacheln in einen speziell dafür angefertigten hellen Holzrahmen eingliedern. Darin eingemeißelt: Selbstporträts, autobiographische Ereignisse, Heldentaten, eingebettet in antike Tempelfassaden, Siegessäulen und Lorbeeren, ein traurig blickender Hund, eine junge Frau, der Tod.
Die Arbeiten erscheinen in ihrer Darstellung zunächst nicht ungewöhnlich. Doch legt sich bei genauerer Betrachtung ein seltsam vertrauter Duft um die Werke, der für Irritation sorgt. Spätestens da wird klar, dass es sich bei Sebastian Wegglers Werken nicht um marmorierte Bildreliefs handelt sondern um schlichte, billige Kernseife. Diese steht dem altehrwürdigen, wertvollen Kalkstein in seiner Oberflächenstruktur allerdings in nichts nach.
Aber warum verwendet der Künstler ein industriell vorgeprägtes Material, das in seinem Bekanntheitsgrad als Reinigungsmittel zwar unübertroffen ist, im Gegensatz zu anderen Werkstoffen in seiner Beschaffenheit hingegen vergänglich – ganz besonders wenn es in Berührung mit Wasser gerät? Derartiges verdeutlichen auch die Vanitas-Motive in den einzelnen Arbeiten. Es scheint fast so, als ob der Eichenrahmen das profane, vergängliche Material schützen und zusätzlich mit Attributen wie Kraft und Beständigkeit für die kommende Zeit ausstatten soll.
Der Wunsch nach Ewigkeit – durchbrochen, fragmentartig und doch zusammenhängend und als großes Ganzes zu verstehen. Sebastian Weggler meißelt seine Biographie, sein endliches Leben in Kernseife. Es sind Denkmäler für die Nachwelt, um für „immer“ in Erinnerung zu bleiben. Denn wie Beth Ditto (Sängerin der Band Gossip) einmal sagte, sollte man bis spätestens Dreißig seine Autobiographie geschrieben haben, da diese später sonst keiner mehr lesen will.
Weggler geht sogar noch einen Schritt weiter. Indem er seine „Heldentaten“ (z.B. die Erfindung des Rads) und seine früheren Arbeiten – die er selbst als „Schlüsselwerke“ bezeichnet (Briefmarkensammlung, Teppiche, Fliegenbilder) – in Seife meißelt, schafft er sich seinen eigenen Künstlermythos: Es sind Werke in denen sich das Denken des Künstlers, sowie seine Seele und sein Genius widerspiegelt. Neben der Markierung entscheidender Abschnitte in seinem Leben, wird aber auch das Material selbst bei Weggler thematisiert – so zum Beispiel, wenn er sein Abbild bei einer seiner kleinen Seifenarbeiten in eine Badewanne formt.
Sebastian Weggler verleiht seinem Leben, seinem Selbstverständnis als Künstler und dem verwendeten Material mit kritischer Distanz, Selbstironie und einem leichten Augenzwinkern in der Tat eine ganz neue Bedeutungszuschreibung. Aufgewertet, auratisiert und ästhetisiert in einer Welt des Vergänglichen: Der materialikonographische Ansatz bildet zweifellos das Profil mit dem Weggler den Kanon kunstwürdiger Stoffe sprengt, den Bereich „wertloser“ Stoffe erweitert und die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst verschiebt, um das Medium letztlich mit eigener semantischer Qualität zu versehen.

(Text: Felicia von Karais)